Unsere Pläne für 2017

//  18.01.2017

Eigentlich bin ich kein Fan von Vorsätzen, deren Einhaltung man sich ab einem bestimmten Datum vornimmt. Wenn etwas für mich Sinn macht, möchte ich diesen Aspekt sofort umsetzen.

Trotzdem kann man sich nicht zeitgleich um alles kümmern, was einem gerade in den Sinn kommt. Besonders nicht bei uns im Weinbau, wo sich Entscheidungen mitunter über Jahrzehnte auswirken. Bestimmte Themenfelder klopfen aber immer wieder an, sodass man sich ihnen auf Dauer nicht entziehen kann. In den vergangenen Jahren haben uns beispielsweise die technische Umsetzung eines herbizidfreien (Steillagen-) Weinbaus und ein angemessener, integrer Auftritt beschäftigt.

Jetzt ist also wieder Kapazitäten für neue Projekte und auch schon einiges auf dem Schreibtisch:

Ein Themenfeld, in dem wir uns noch entwickeln können, ist die Pflanzenernährung. Zwar düngen wir seit Jahren nur mit Kompost, der teilweise selbst hergestellt wird, und mit Begrünungspflanzen. So weit so gut. Allerdings gibt es hier interessante, neue Ansätze.
Einerseits möchten wir neue, an unsere Trockenstandorte angepasste Begrünungen erproben. Die Begrünungspflanzen bringen einige wesentliche Vorteile. Der bei unseren steilen Weinbergen maßgebliche ist die Verhinderung von Erosion. Der Boden, in dem unsere Reben wurzeln ist unser teuerstes Kapital. Geht er durch Abschwemmung verloren, dauert es Jahrtausende, bis er sich aus dem Ausgangsgestein neu bildet. Zwischen den Rebzeilen bilden die Begrünungspflanzen ein Netz aus Wurzeln, das den Boden stabilisiert, die Infiltration des Niederschlagswassers verbessert und ihn an Ort und Stelle hält. Daneben ist die Erhöhung der Biodiversität ein wichtiger Vorteil, der von einer Begrünung ausgeht. Dazu muss diese logischerweise möglichst artenreich sein, um die biologische Vielfalt zu erhöhen. Vor allem, aber nicht nur die Blüten locken Insekten, Rebhühner und viele andere Tiere an, die ein gewisses Maß ökologisches Gleichgewicht zurück in den Weinberg bringen. Jedoch eignen sich nicht alle Pflanzen gleichermaßen für den Einsatz in unseren Weinbergen. Einige Pflanzen unterdrücken andere, verbrauchen zu viel kostbares Wasser oder können nicht befahren werden. Die Kunst liegt also darin, eine Saatgutmischung zu entwickeln, die möglichst alle speziellen Anforderungen in unseren trockenen Steillagen erfüllt. Den ersten Schritt dazu haben wir bereits erledigt. Vor und nach der Ernte wurden an unterschiedlich steilen Weinbergen mit verschiedenen Böden in Randersacker zwei Saatgutmischungen ausgesät. Entwickelt hat diese Mischungen die Abteilung Landespflege an der LWG in Veitshöchheim. In 2017 werden wir den Aufwuchs und die Auswirkungen auf unseren Weinberg dokumentieren, um die Mischungen weiter zu verbessern.

Zum zweiten bieten sich im Bereich Kompostherstellung neue Möglichkeiten. Wenn wir den Kompost herstellen, tun wir dies im Grunde nicht anders als im Garten. Abfälle aus dem Rebbestand werden gesammelt und mit anderem organischen Material zu einer Miete vermischt. Diese wird von Zeit zu Zeit umgesetzt, um eine aerobe Kompostierung zu ermöglichen und die Humusstoffbildung zu fördern. Bei diesem Verfahren muss der Kompost jedoch einige Zeit an Ort und Stelle ruhen, bis die Verrottung zumindest teilweise stattgefunden hat. Dadurch besteht hier erhöhte Gefahr der punktuellen Auswaschung von Stickstoff ins Grundwasser, was zu Nitratbelastungen führen kann. Deshalb möchten wir unseren Kompost in diesem Jahr mit einem geringen Prozentsatz an Biokohle versetzen. Biokohle (engl. Biochar) ist nichts anders als Holzkohle. Nur wird sie nicht aus tropischen Hölzern hergestellt, sondern aus organischen Abfällen aus der Region, die ohnehin anfallen. Die Pyrolyse genannte Verkohlung führt dazu, dass das organische Material eine sehr große Oberfläche entwickelt. Im Idealfall bis zu 300 m² je Gramm. Durch diese riesige Oberfläche kann die Biokohle in Verbindung mit Humusstoffen große Mengen an Nährionen binden. Diese verbleiben dann in der Kompostmiete und gelangen dorthin, wo wir sie haben wollen: in den Weinberg. Die Rebe kann sich die Nährionen durch Abgabe von Ionen ihrerseits „ertauschen“. Die Biokohle wirkt dabei als eine Art Schwamm, der die Speicherkapazität des Bodens für Nährstoffe erhöht. Als weiteren positiven Effekt soll die Biokohle die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens erhöhen. Ob sie dies in diesem geringen Anteil am Gesamten Boden vermag, bleibt zu überprüfen.
Dazu wollen wir neben der Kohle auch Asche aus verheizten Buchenkronen dem Kompost zuschlagen. Diese enthält neben Kalk, der auf unseren Böden reichlich vorhanden ist auch einiges Kalium. Die Rebe nimmt im Verhältnis sehr viel Kalium auf, das über den Wein aus dem Kreislauf ausgeschleust wird. Asche fällt bei uns natürlicherweise an, da wir alle Betriebsräume ausschließlich mit Stückholz heizen. Somit wissen wir auch, dass keine Schadstoffe aus Imprägnierungen in der Asche enthalten sind. Auch hier ist ungewiss, ob die Asche in diesen geringen Dosierungen ausreicht, um einen positiven Effekt zu generieren, oder ob sie gar zu Verbrennungen der Wurzeln führt. Ein spannender Versuch wird es allemal.

Außerdem haben wir mit dem Bau eines Wohnhauses für die junge Generation im Weingut ein weiteres Mammutprojekt. Dadurch, dass wir im Altort investieren möchten, sind wir in unseren Möglichkeiten ganz schön eingeschränkt. Aber die Nähe zum Weingut und zu unseren Gästen und Freunden ist uns zu wichtig, als dass wir täglich um sechs die Tür zusperren wollten. Im Gegenteil, wir wünschen uns eigentlich noch mehr persönlichen Kontakt zu den Menschen, die unser Weingut besuchen und unsere Ideen teilen. Jedenfalls möchten wir das Haus, das wir von meiner Großmutter geerbt haben, sanieren. Zunächst war die Devise: das Alte weg, etwas Neues her. Der Besuch eines alten Freundes aus dem Studium hat uns dann umgestimmt. Er hat uns gefragt, was wir wirklich wollen und was uns Spaß macht, was zu uns am besten passt. Damit war die Idee einer neuen, schicken Vinothek aus Glas und Sichtbeton wieder vom Tisch. Eigentlich sind wir ja sehr zufrieden mit unserer Situation. Wir betreiben gerne eine urige, familiäre und herzliche Heckenwirtschaft. Nur die (energetische Sanierung) des Obergeschosses ist mittlerweile zwingend angebracht. Den ersten groben Plan und die ersten Termine mit den Baufirmen sind gemacht. Wir freuen uns darauf, unsere private Zukunft in die Hand zu nehmen.

Diese Projekte werden uns noch weit über das Jahr 2017 beschäftigen. Aber Schritt für Schritt für Schritt für Schritt für Schritt…

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